10 Fragen an exit Deutsche Schweiz
Das erste Treffen mit dem gesamten Team fand im Frühsommer 2023 statt und stellte den Beginn eines längeren Prozesses dar. In diesem Interview gibt Paul-David Borter Einblicke in diesen Entwicklungsprozess, zur Identität eines dezentral agierenden Teams und wie das Benennen von Problemen möglich wurde.
Zwischen organisationalen Herausforderungen und solidarischen Idealen – eine wachsenden Non-Profit-Organisation im Wandel
Sehr geehrter Herr Borter, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, uns Einblicke in Ihren Organisationsentwicklungsprozess zu gewähren. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?
Mein Name ist Paul-David Borter. Zusammen mit einem Team von hoch-engagierten Menschen leite ich operativ den Bereich der Freitodbegleitungen bei exit.
Was ist exit und wie ist sie organisiert?
Exit Deutsche Schweiz ist eine Solidaritätsgemeinschaft, ein Zusammenschluss von Menschen, die sich bei der Durch- und Umsetzung des Rechts auf den eigenen Tod gegenseitig unterstützen. Organisiert sind wir als Verein. Wir zählen aktuell über 167'000 Mitglieder.
Warum haben Sie sich dafür entschieden, Supervision und Prozessbegleitung für Ihre Organisation und Ihr Team in Anspruch zu nehmen?
Als Organisation sind wir seit über einem Jahrzehnt mit einem anhaltend grossen Wachstum konfrontiert. Diese Entwicklung stellt uns vor grosse strukturelle Herausforderungen. Von diesen Veränderungen waren und sind in erster Linie Menschen betroffen; sei es, dass sie sich schon sehr lange für die Anliegen unserer Mitglieder einsetzen, sei es, dass sie sich erst seit kurzem oder gänzlich neu für exit engagieren. Uns war es wichtig, diese Veränderungsprozesse professionell begleitet zu lassen. Insofern war es ein Teamentscheid.
Welche Erwartungen und Vorstellungen hatten Sie zu Beginn dieses Prozesses und zur externen Begleitung?
Persönlich war es mir immer ein grosses Anliegen, dass wir diesen Weg alle gemeinsam beschreiten; egal welche Aufgaben die Person hat oder welche Funktion sie ausübt. Mir war es wichtig, dass sich alle Teammitglieder auf die Person mit einem guten Gefühl einlassen konnten. Insofern haben wir uns auch bei der Auswahl bewusst Zeit genommen und miteinander verschiedene Optionen geprüft.
Wie haben Sie die Gestaltung des Prozesses und die externe Begleitung erlebt?
Von Anfang an menschlich, zugänglich, interessiert, inspirierend und professionell strukturiert mit einem Plan im Hintergrund, den wir jederzeit zücken und anschauen konnten, wo wir gerade stehen. Das war – aus meiner Sicht zumindest – enorm hilfreich.
Wir sind seit über einem Jahrzehnt mit einem anhaltenden grossen Wachstum und damit einhergehenden Veränderungen konfrontiert, welche eigentlich immer die Menschen in der Organisation betreffen.
Paul-David Borter
Gesamtleiter Freitodbegleitung exit Deutsche Schweiz
Konnten durch die externe Prozessbegleitung Erkenntnisse oder Möglichkeiten sichtbar gemacht werden, die Sie gerne teilen würden?
Ja, absolut. Stellvertretend begleitet uns seit der zweiten Sitzung, mittlerweile auch mit einem Augenzwinkern, immer wieder die Frage: «Was sind wir denn? Sind wir wirklich ein Team?» Wir arbeiten alle mit einem hohen Grad an Selbstbestimmung und Eigenverantwortung und haben im Tagesbetrieb zum Teil wenig Schnittstellen zueinander. Die Frage ist also wie zu einer Art «Sextant und Kompass» geworden, in der Orientierung und im Bewusstsein, dass wir immer wieder neu und bewusst aufeinander zugehen können, sollen und vielleicht auch müssen.
Gab es in den Teamsupervisionen schwierige oder heikle Situationen, die Sie erlebt haben? Können Sie diese umschreiben?
Ja; auch das gab es. Es sind diese Momente «des Verfertigens der eigenen Gedanken beim Sprechen» der einzelnen Person, innerhalb derer plötzlich die Benennung eines Problems möglich ist, die dem bewussten inneren Zugang vorher verschlossen war, und die begleitet sind von einer Vielschichtigkeit an Emotionen der anderen, der Zuhörenden und der Erkenntnis, «jetzt ist es gesagt».
Wo steht Ihr Team heute im Vergleich zum Start des Prozesses?
Ich denke wir stehen aktuell nicht, wir laufen nach wie vor im Prozess weiter; manchmal rennen wir auch. Doch wir tun dies deutlich bewusster als zu Beginn und schätzen es sehr, innerhalb der Supervisionen Oasen zu haben, an denen wir rasten und eine kurze Weile «Wir-Zeit» verbringen können, um wieder aufzutanken.
Für wen und in welchen Situationen würden Sie eine externe Prozessbegleitung oder Teamsupervision empfehlen?
Ich würde dies grundsätzlich allen empfehlen, die zu zweit oder in einem Team über längere Zeit zusammenarbeiten und sich Veränderungen stellen müssen.
Würden Sie die Dienstleistungen von Christoph Vecko weiterempfehlen, und wenn ja, warum?
Auf jeden Fall! Herrn Vecko mit im Boot zu haben, bedeutet, nicht vom Kurs abzukommen; denn er interessiert sich für Menschen; das spürt man einfach. Er ist leidenschaftlich und inspirierend in dem, was er tut. Er ist direkt, offen und authentisch, in dem, was er sagt, und er ist unterstützend und schweigend, wenn es keiner Worte bedarf. Das halte ich persönlich für eine grosse Gabe: Menschen so zu nehmen, wie sie sind, und ihnen das zu geben, was sie benötigen, um sich weiter entwickeln zu können.
Vielen Dank für diesen Einblick und die netten Worte!
Was macht Exit?
Exit händigt eine Patientenverfügung aus, berät bei schwerwiegenden gesundheitlichen Situationen, fördert die Palliativmedizin und bietet am Lebensende eine sichere, würdige Freitodbegleitung an.