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Die (fast) alljährliche Hochzeit eines Fussballfans

Der Cupfinal und die Barrage bzw. Relegation in verschiedenen Ligen stehen an. Mich als FC Aarau Fan betrifft und interessiert Letzteres – zum wiederholten Male und, gesamthaft betrachtet, seit Jahrzehnten.

Ja, ich bin tief verbunden mit diesem Club, mit den Fans und dem Brügglifeld. Es sind die Emotionen vor, während und nach dem Spiel, die ich verspüre. Es sind die Freund- und Bekanntschaften, die über die Jahre entstanden sind.

Es sind aber auch die stressigen Momente, das Ausloten von Grenzen und manchmal auch die Überschreitung dieser, die ich beobachte. Es sind die Choreos, die in stunden- und tagelanger ehrenamtlicher Arbeit gestaltet werden. Und es sind die Pyros – ein Sinnbild für Emotionen. Ein Zeichen von Emotionen der Ultraorientierten Fans, wohl auch Auslöser für Emotionen, von denen die sich darüber aufregen und aber auch für die zahlreichen Menschen im Stadion, die jeweils das Handy zücken um die «Show» festzuhalten».

Wenn es morgen gegen den Grasshopper Club aus Zürich zum Barrage-Rückspiel geht, werden diese Emotionen eine zentrale Rolle spielen – für die Spieler, den Staff und auch für die zahlreichen Fans im Stadion. Mit diesen Emotionen kann eine solche Masse meist gut umgehen. Vielleicht wegen der Fanbetreuer*innen oder Fanarbeiter*innen, bestimmt aber auch dank der oft erwähnten Selbstregulation der Fans/ der Ultras. Ich finde hier allerdings der Begriff Selbstorganisation viel passender. 

Für mich als Gruppendynamiker ist es immer wieder faszinierend, wie gruppendynamische Dimensionen sicht- und spürbar werden. Zum Beispiel die Dimension der Nähe (Beziehungen und Freundschaften innerhalb der Gruppierungen, oft 24/7), die Macht (klare, ausgesprochene Hierarchien innerhalb der Fangruppierungen) und die Zugehörigkeit (die Zugehörigkeit (und Loyalität) zur Fangruppierung über Gesänge, Kleidung, Tattoos etc.).

Für Fan- oder Sozialarbeitende bedeutet dies, sich in einen Sozialraum zu begeben, in dem vieles bereits geregelt ist – ein Mikrokosmos mit eigenen Regeln, Normen, Rollen, Abläufen und vor allem Beziehungen. Und genau diese Beziehungen stehen in der Fanarbeit im Zentrum: zu den Fans, aber auch zu Vertreter*innen von Club, SBB oder Polizei.

In diesem Spannungsfeld, das oft auch Dilemmata mit sich bringt, sind Beziehungsarbeit und der Blick für Dynamiken zentral. So zentral, dass diese Beziehungsarbeit manchmal auch in einer Art «Grauzone» stattfinden darf oder muss – Stichwort Beziehungskonto. 

Wie das gelingen kann (oder eben auch nicht), diskutieren und bearbeiten wir an einem Workshop an der vielversprechenden Tagung der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW mit dem Titel «Gruppendynamik & Soziale Arbeit». Thomas Weber und ich laden herzlich dazu ein. 
Hier geht’s zu den Infos Tagung Gruppendynamik & Soziale Arbeit | FHNW

So – und nun geht’s hoffentlich weiter Richtung Nati A. Hopp Aarau!

Quelle Foto: Szene Aarau

 

 

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